Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

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Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Niederrhein: Ein Bett unter dem Sternenhimmel

Niederrhein: Ein Bett unter dem Sternenhimmel

Die Einfahrt zu Schloss Hertefeld

Die Einfahrt zu Schloss Hertefeld

Rosen am alten Gemäuer

Rosen am alten Gemäuer

Ein bisschen kommt man sich vor wie Cedric in Jack Golds Film „Der kleine Lord“, wenn der als künftiger Lord Fauntleroy in der Kutsche sitzt und hinter einer Wegbiegung das Schloss seines Großvaters, des Earls von Dorincourt, erblickt. Der Anblick von Schloss Hertefeld im niederrheinischen Weeze, wie es da so liegt in seinem rund fünf Hektar großen Park, durch den man auf ein kleines Rondell mit Teich, auf das Gebäude der Rentei und auf die einzige bewohnbare Schlossruine Deutschlands zufährt, ist elegant, herrschaftlich und einladend zugleich.

Friedrich Graf zu Eulenburg und Hertefeld und seine Frau haben Geschmack. Und Fantasie. „Es ist unser beliebtestes Zimmer“, sagt der Graf und zeigt uns unser Sternenzimmer. Eine 65 Quadratmeter große Suite über drei Etagen. Unten ein Badezimmer mit Doppelbadewanne, einem beleuchteten Brunnen, zwei Waschbecken, Luxusdusche und separater Toilette. Darüber eine Wohnetage. Und dann das Highlight und der Grund unseres Besuchs: die Empore mit einem riesigen Bett, über dem ein überdimensionales Fenster eingelassen ist. Ein Knopfdruck – und die gesamte Dachfläche über dem Bett gleitet leise surrend zur Seite. Schon liegt man in weichen Daunen direkt unter freiem Himmel.

Ein Bett – auf Wünsch unter freiem Himmel (Copyright: Schloss Hertefeld)

Ein Bett – auf Wünsch unter freiem Himmel (Copyright: Schloss Hertefeld)

Sonnenschutz am Sternenfenster

Sonnenschutz am Sternenfenster

Der Blick in den sonnigen Horizont ist grandios. Der in die nächtlichen Sterne noch viel besser. Der Rest der Decke leuchtet mit – denn überall sind kleine Lichtpunkte angebracht. Alles glitzert. Das Zimmer ist trotz allem Luxus angenehm schnörkellos und erinnert weniger an ein Schloss als an eine Garage. Allerdings an eine extrem coole. Auf dem Boden sind silbern glänzende Riffelbleche angebracht. Das Radio mutet an wie ein Autoradio. Und mit etwas Fantasie könnte man das Dachfenster ja auch als Schiebedach betrachten.

Cool: die Doppelbadewanne

Cool: die Doppelbadewanne

Am Abend beim Gespräch im Schlossgarten erzählt uns der Graf, wie es dazu kam. Und warum auf unserem Zimmerschlüssel eigentlich „Ponton“ steht. „Mit Sternenzimmer hat das eigentlich nichts zu tun. Haben Sie im Zimmer das Foto von dem alten Mercedes gesehen? Der gehörte meinem Urgroßvater. Das heutige Zimmer war die Garage. Er hatte sie sogar noch erweitert, weil das Auto zu lang war. Sonst hätte es gar nicht hinein gepasst. Ich war mir sicher, es war ein Mercedes „Ponton“. Deshalb haben wir das Zimmer auch Ponton-Zimmer genannt.“

Friedrich Graf zu Eulenburg und Hertefeld mit zweien seiner Ziegen aus dem Tierpark nebenan (Copyright: Schloss Hertefeld)

Friedrich Graf zu Eulenburg und Hertefeld mit zweien seiner Ziegen aus dem Tierpark nebenan (Copyright: Schloss Hertefeld)

Graf Friedrich räuspert sich: „Und dann waren das Dach und alles fertig, es gab auch schon den Sternenhimmel, da kam ein Freund zu uns, der schon seit Jahren Autos sammelt. Er war anlässlich einer Oldtimerdurchfahrt im Schloss. Plötzlich zeigte er auf ein Auto, genau so eines wie auf dem Bild, und rief: ‚Schau mal, ein alter Adenauer-Mercedes.‘ Er hatte natürlich recht. Nur konnten wir das Zimmer nun ja nicht mehr ,Ponton‘-Zimmer nennen. Also nannten wir es ,Sternenzimmer‘ – wegen des Sternenhimmels und des Fensters unter den Sternen. Der erste Gast nach der Umbenennung sagte, das Zimmer sei ja grandios – und dass es Sternenzimmer hieße, sei ja völlig klar: Der gute Stern auf Deutschlands Straßen… Daran hatten wir gar nicht gedacht.“

Beeindruckend: die bewohnbare Schlossruine

Beeindruckend: die bewohnbare Schlossruine

Bis heute ist das Sternenzimmer das beliebteste der Zimmer und Suiten in und am Schloss. Man schaut hinaus in den riesigen Garten, der auch vom Grafen und seiner fünfköpfigen Familie genutzt wird.

Auf der anderen Seite geht der Blick zur Ruine hinüber, in der am Morgen das Frühstück serviert wird. Organisiert von der Schlossherrin, Patricia Gräfin zu Eulenburg. Gemeinsam mit ihrem Mann hütet sie einen Ort mit einmaliger Geschichte, die Friedrich Graf zu Eulenburg und Hertefeld in der 23. Generation weiterführt.

Liebevoll angelegt sind Schloss und Park

Liebevoll angelegt sind Schloss und Park

Vor gut zehn Jahren zogen sie in das 1322 erstmals erwähnte Schloss. Sie renovierten Hauptturm, Mitteltrakt und zwei Nebenräume des Schlosses und ließen sechs ganz unterschiedliche Zimmer entstehen: „Das Sternenzimmer ist häufig ausgebucht. Ähnlich wie das Schwedenzimmer im Turm der Ruine“, sagt der Graf und zeigt auf die Treppe, die in das auf zehn Meter Höhe inmitten der Ruine liegende 60 Quadratmeter große Gemach führt. „Dann haben wir noch das Eulenzimmer mit Himmelbett, die traditionelle Nierssuite in tiefblau und ein Ostasienzimmer, das an denjenigen Ahnherrn erinnert, der vor gut 150 Jahren die Handelsbeziehungen zu Thailand und Japan etabliert hat.“ Mitten im rund 50.000 Quadratmeter großen Schlosspark liegen noch die Wächterhäuser „Erich und Erika“, heute eine romantische Biedermeier-Appartementsuite.

Die mehr als 60 Quadratmeter große salonartige Turmsuite, auch Schwedenzimmer genannt, liegt in zehn Metern Höhe inmitten der Schloßruine

Die mehr als 60 Quadratmeter große salonartige Turmsuite, auch Schwedenzimmer genannt, liegt in zehn Metern Höhe inmitten der Schloßruine

Immer wieder gebe es Gäste, die etwas Außergewöhnliches wollten, „die es leid sind, in riesigen Bettenburgen in den Innenstädten ,aufbewahrt‘ zu werden, die zwar sehr professionell geführt sind, aber keinen echten Erholungswert haben. Wir haben daher bewusst einen Akzent dagegen gesetzt, damit unsere Gäste hier etwas ganz anderes erleben können.“

Knorrige Bäume und immer wieder ein anderer Blick auf Gebäude des Schlosses im riesigen Park

Knorrige Bäume und immer wieder ein anderer Blick auf Gebäude des Schlosses im riesigen Park

Und leben. Genau das möchte man hier. Durch den Park laufen. Unter den uralten Bäumen Rast machen. An den Rosenstöcken riechen, die an alten Mauern hochranken, Beete zieren und überall ihren Duft verbreiten. Und die Stille genießen.

Frühstück in der Schlossruine

Frühstück in der Schlossruine

Über unserer Decke wachsen nur die Sterne. Vor dem Einschlafen frage ich mich, ob ich mir nicht lieber stündlich den Wecker stellen soll, um diesen Anblick nicht stur zu verschlafen. Doch auch der Schlaf im Sternenbett ist perfekt. Am Morgen werden wir von der Sonne geweckt, genießen noch einmal das riesige Badezimmer und unser Frühstück in der Schlossruine. Goldene Stühle mit rotem Samt. Frisches Obst auf einer hohen Etagere. Kerzenleuchter. Frische Brötchen, perfekt gekochte Eier, dampfender Kaffee und Platten mit Wurst und Käse. 

 

Mehr Infos zum Sternenzimmer und über Schloss Hertefeld findet ihr hier.

 

Für wen?

Für Verliebte, Wochenendurlauber, aber durchaus auch für Familien, die einen außergewöhnlichen Ort, den riesigen Schlosspark und die schönen Ausflugsziele am Niederrhein genießen wollen. 

 

Was ist in der Nähe?

Gleich am Schloss ist ein wunderschöner und vor allem kostenloser Tierpark mit Streichelzoo.  Gleich dahinter geht es zum Natur-Erlebnis-Pfad mit Barfußpark, Träumerliegen und Waldmikado. Auf dem Flüsschen Niere kann man wunderbar paddeln. Und außerdem perfekt für Familien: der Freizeitpark Irrland, eine 30 Hektar Quadratmeter großen Bauernhof-Erlebnisoase im nur zehn Kilometer entfernten Twisteden.
Nicht weit von Schloss Hertefeld sind auch der Wallfahrtsort Kevelaer mit seiner kolorierten Basilika und das 20 Kilometer entfernte historische Städtchen Kalkar mit einem schönen Marktplatz und bedeutenden Schnitzaltären. Und wem Schloss Hertefeld und seine beiden Nachbarschlösser Wissen und Kalbeck noch nicht genügen, dem sei das im 20 Kilometer entfernten Bedburg-Hau gelegene neogotische Schloss Moyland empfohlen. Es beherbergt die umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Gebrüder van der Grinten, insbesondere Werke von Joseph Beuys. Außerdem liegt natürlich die alte Römerstadt Xanten mit ihrem römischen Archäologiepark Colonia Ulpia Trajana und dem Römermuseum nur knapp 20 Kilometer entfernt.

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