Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

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Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Arnis: Die kleinste Stadt Deutschlands

Arnis: Die kleinste Stadt Deutschlands

Zu Fuß sollte man unterwegs sein in Arnis. Denn die eine Straße, die es dort gibt, ist für die gerade mal knapp 300 Einwohner reserviert. Die Straße ist gesäumt von unglaublich süßen, kleinen Häuschen. Viele davon schneeweiß und mit Rosenstöcken davor.

Arnis gilt als Perle der Schlei und ist auf einer Halbinsel erbaut worden. Die Fläche der Stadt beträgt gerade mal 800 mal 200 Meter. Gegründet wurde sie am 11. Mai 1667, als Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf rund 750 Menschen aus Kappeln erlaubte, als freie Bürger auf der kleinen Insel zu siedeln. Diese, Mitglieder von 62 Fischer- und Schifferfamilien, hatten zuvor dem Gutsherrn Detlev von Rumohr auf Roest den Untertaneneid verweigert, um der Leibeigenschaft zu entgehen. Schon bald wurde der winzige Ort durch die Fischerei, durch Seefahrer, Schiffsbauer und Schiffseigner immer reicher.

Nur eine Straße - aber die ist sooo schön (Copyright: Axel Martens)

Nur eine Straße - aber die ist sooo schön (Copyright: Axel Martens)

Ein Reichtum, den man bis heute an den prächtigen Giebeln vieler Häuser erkennen kann. Als dann vor 150 Jahren Schleswig und Holstein geeint wurden, ging es mit dem Reichtum bergab. Die Preußen räumten auf, teilten die Provinz in Kreise mit Ämtern und Städten ein. Am Ende blieb ein kleines Örtchen übrig, ein sogenannter Flecken: Arnis. Bis die Nationalsozialisten 1934 für Ordnung sorgen wollten – und den Flecken zur Stadt erklärten. Und die ist bis heute so winzig, dass sie die kleinste in ganz Deutschland ist.

Neben einer einzigen Straße und einem Rathaus gibt es einen Hafen, viele kleine Cafés und Restaurants, einige wenige Geschäfte und eine kleine, von einem Friedhof umrahmte Kirche. Wir schlendern die Straße entlang. „Schau mal“, sagt meine Tochter und zeigt auf eine kleine Bank. „Was steht da?“ – Man sagt Arnis tatsächlich nach, dass die Menschen dort nicht einmal ihre Türen abschließen, da eh jeder jeden kennt. Dass aber auch Auto-Stopp so völlig gefahrlos anerkannt ist, zeigt uns diese Bank, über der ein weißes Schild mit verschnörkelter schwarzes Schrift steht: „Mitfahrer-Bank“. Darunter stehen zwei Wegweiser-Schilder: „Süderbrarup“ und „Kappeln“ und ein kleines Schild, das alles erklärt:

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  • Richtung wählen: Süderbrarup
  • KappelnRichtungsschild vorklappen
  • warten…
  • Richtungsschild wieder zurückklappen
  • Einsteigen.
  • Gute Fahrt und nette Gespräche!

Wir bummeln weiter. Eine schwarze Katze schleicht über den Bordstein. Ein paar Jugendliche sitzen auf den Bänken vor den Häusern und zeichnen. Geht man die Straße nach links, kommt man zur Mini-Fähre der Mini-Stadt. Die Autofähre hangelt sich an einem Drahtseil über die Schlei. Wir gehen nach rechts, an Häusern mit Rosenstöcken vorbei, und laufen am Ende der Straße den einzigen Hügel hinauf, den zur Kirche. Vorbei an uralten, liebevoll bepflanzten Gräbern mit verwitterten Grabsteinen. Wir öffnen die schwere Kirchentür – und staunen. 

Das 1673 geweihte Kirchlein ist ungemein freundlich und fröhlich, heiter, hell und heimelig. Weiße Holzbänke, ein weißer Altar, darüber auf der Empore eine weiße, schön geschwungene Orgel. Mein kleines Mädchen legt den Kopf in den Nacken, schaut ununterbrochen an die Balkendecke. Von dort baumeln nämlich vier große Schiffsmodelle. Votivschiffe als Zeichen der Dankbarkeit für den Schutz Gottes auf den Seefahrten.

Blick auf die Schlei (Copyright: Axel Martens)

Blick auf die Schlei (Copyright: Axel Martens)

Als wir wieder draußen in der Sonne sind, laufen wir zurück zur Straße, die am Ufer der Schlei an einem Restaurant und Biergarten endet. Dort essen wir Matjes mit Bratkartoffeln, trinken eine Apfelschorle und schauen auf die Segler und das gegenüberliegende Ufer. Gleich nebenan gibt es eine Rutsche auf einem kleinen Fleckchen Sand: eine Badestelle, an der man die Füße ins Wasser halten und die Sonne genießen kann. Und wir genießen sie noch lange.

Die kleine Fähre von Arnis (Copyright: Axel Martens)

Die kleine Fähre von Arnis (Copyright: Axel Martens)


Linktipps

Noch ein Stadtporträt und Buchungsmöglichkeiten gibt es hier.

Kleine Galerien und Kunstgewerbe gibt es überall in Arnis.

 

Unbedingt machen

Die kleine Schifferkirche zu Arnis anschauen. Hell, klar und mit schwebenden Schiffen unter der Decke.

Mal mit der Fähre fahren

Durch die eine, schöne Straße bummeln und die Ruhe genießen.

 

Rast und Ruhe:

Etwas lange aufs Essen gewartet, dann aber richtig guten Matjes und kühles Bier und als Nachtisch einen cremigen Cappuccino gab es in der Strandhalle. Nebenan ist gleich eine kleine Badestelle mit Rutsche. Und der Blick aufs Wasser ist grandios.

Richtig leckeren Kuchen und Coffee to go bekommt man beim „Schleibäcker Café Carstensen“, Lange Straße 82.

 

Ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe:

Rund 20 Minuten in Richtung Meer, dann ist man in Waabs auf Camp Langholz. Oder man fährt ebenfalls rund 20 Minuten gen Norden und zeltet in Pommerby unter dem Leuchtturm.

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Waabs: Eine Zelt-Lodge am Strand

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Warder: Frühlingsgrüße aus der Arche

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