Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

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Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Schweden III (Småland): Eine Waldhütte im echten Bullerbü

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Drei alte Höfe im Dörfchen Sevedstorp und eine Geschichte, die nicht nur Kinder glücklich macht

Drei alte Höfe im Dörfchen Sevedstorp und eine Geschichte, die nicht nur Kinder glücklich macht

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Es gibt Orte, die kennt man ganz genau. Auch wenn man nie dort war. Bullerbü ist so ein Ort. Die drei roten Bauernhäuser mit ihren kleinen Holzzäunen, den niedlichen Eingängen und den weiß umrandeten Fenstern. Wie sie da stehen, in ihren alten Bauerngärten. Inmitten von Wiesen und Wäldern. Etwas hügelig ist die Landschaft. Waldig. Einsam. Am Anfang der schmalen Schotterstraße, die zu den Häusern führt, stehen zwei Milchkannen. Nur ein paar wichtige Leute fehlen: Ole und Kerstin vom Südhof, Lisa, Lasse und Bosse vom Mittelhof und Britta und Inga vom Nordhof. – Die Kinder aus Bullerbü!

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Die drei alten Höfe in Sevedstorp, einem Mini-Mini-Mini-Dorf in der Gemeinde Pelarne, sind an der Straße 40 (zwischen Vimmerby und Mariannelund) ausgeschildert. Wir haben unser Auto auf dem angrenzenden Parkplatz abgestellt, stehen vor den drei Höfen – und staunen. Ja, genau so hatten wir uns das vorgestellt. „Können wir hier übernachten?“ fragt unsere Tochter, denn es ist schon später Nachmittag und wir suchen noch immer einen Ort für die Nacht. Ich schüttele den Kopf. „Die Höfe sind im Privatbesitz. Da wohnen Leute. Man darf nur gucken.“

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Und genau das tun wir. Wir entdecken den Baum, über dessen Krone die Kinder aus dem Buch von Haus zu Haus geklettert sind, auch wenn der echte dazu ein bisschen zu klein ist. Wir stellen uns vor, wo Lisa ihr Lamm gefüttert hat, wie sie über die Wiesen getollt ist und ihren Brüdern Streiche gespielt hat. Wir fragen uns, wo wohl der Schulweg der Kinder war. Und wo der See lag, an dem sie den Wassergeist belauscht haben.

Vor den Höfen liegt ein kleiner Platz mit einem Pavillon und zwei Schaukeln im Baum. Es gibt Hinweisschilder mit Rätselfragen für die Besucher. Es gibt ein Gehege mit zwei lustigen Kaninchen. Und es gibt eine alte Scheune, in der man Kaffee und Kuchen bekommen kann. „Schau mal“, sagt mein Mann und zeigt auf einen an die Eingangstür gepinnten Zettel: Hütte zu vermieten. Wir bestellen in der Scheune Holunderblüten-Limonade und Zimtschnecken – und fragen nach der Hütte. Die Besitzerin zeigt hinüber zum Wald. Nur ein paar Meter entfernt liegt sie auf einem kleinen Hügel. An den Wald geschmiegt. Und mit einem weiten Blick über die drei Höfe, die Wiesen, die Landschaft der Kindheit.

Weit geht der Blick über die Wiesen und Wälder von Bullerbü

Weit geht der Blick über die Wiesen und Wälder von Bullerbü

Wir zahlen, kaufen im Café fürs Abendessen noch mehr Limonade und noch mehr Zimtschnecken, parken das Auto um und ziehen ein. Ein Raum mit Kühlschrank und Herd, mit Hochbett, Schlafsofa und kleinem Esstisch. Davor eine Terrasse mit niedlichen Blumentöpfen, einem Tischchen und Stühlen. Weil es in der Hütte kein fließendes Wasser gibt, gibt es ein Waschbecken an der Außenwand. Außerdem steht da ein äußerst komfortables Häuschen mit einem Plumpsklo. Lustig, finden wir das. Vor allem deshalb, weil wir den Schlüssel zu den Waschräumen haben, die gleich neben dem Café liegen: ein sauberes Bad mit warmer Dusche.

Am Abend sitzen wir in dem kleinen Pavillon, essen Zimtschnecken und lesen aus Bullerbü vor. Das fühlt sich plötzlich ganz anders an als zuhause. Da sitzt man, liest vor, hebt den Blick und ist plötzlich mittendrin. Im Südhof gießt gerade jemand die Blumen. Und im Mittelhof, wo einst Astrid Lindgrens Vater lebte, tuckert eine Frau auf einem Aufsitzrasenmäher vorbei. Wir sind an dem Ort, der Astrid Lindgren zu ihren Bullerbü-Büchern inspirierte. Ein Ort, mit so vielen Geschichten und Gefühlen.

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Wir schaukeln noch. Geben den Kaninchen Löwenzahn. Laufen wir den Weg zur Hütte hinauf und legen uns in das riesige Hochbett. Die Nacht ist still. Nicht ein einziges Geräusch. Erst am Morgen werden wir durch Vogelgezwitscher geweckt. Wir packen unsere Zahnbürsten und Badetücher, laufen über die Wiese zum Waschraum. Auf dem Weg davor sitzt eine Katze, die uns wie alte Freunde begrüßt. Es ist erst 7 Uhr, aber die Sonne scheint schon ganz warm. Wir haben noch etwas Knäckebrot und Marmelade dabei, außerdem Wasser und Instant-Kaffee. Damit frühstücken wir vor der Hütte. Dann werfen wir den Schlüssel im Café in den Briefkasten und machen noch ein letztes Erinnerungsfoto. Und fahren los. Dahin, wo wir noch mehr Geschichten entdecken wollen: zu Pippi, Kalle und Co nach Vimmerby in Astrid Lindgrens Värld.

 

Mehr Infos zur Waldhütte auf Bullerbü findet ihr hier.

 

Für wen?

Fans von Astrid Lindgren. Familien, Leseratten, kleine Entdecker. Oder Erwachsene, die wieder eintauchen wollen in die Geschichten aus der eigenen Kindheit.

 

Was ist in der Nähe?

Ganz viel rund um Astrid Lindgren und ihre Geschichten: Im knapp 20 Minuten entfernten Vimmerby gibt es Astrid Lindgrens Värld. Ein Themenpark, der so gar nichts mit einem kitschigen, schrillen Freizeitpark zu tun hat, sondern eine Mischung aus Freilichtbühne und Freilichtmuseum ist. Auf mehreren Bühnen spielen Schauspielerinnen und Schauspieler Szenen aus den Büchern nach, unter anderem aus Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Ronja Räubertochter oder Immer dieser Michel. Man kann in jedes Haus, in jeden Laden. Überall sind die in den Büchern beschriebenen Orte nachgebaut. Sogar die Cafés und Restaurants sind eine einzige Zeitreise. Ein Traum!
Außerdem kann man in Vimmerby das Museum Astrid Lindgrens Näs besichtigen. Fährt man von Bullerbü, also Sevedstorp, etwas weiter nach Norden, ist man in etwa zehn Minuten an einem anderen Ort aus Astrid Lindgrens Büchern: Kattult. Der Hof, auf dem die Michel-Geschichten spielen. Und wer sich für die Verfilmungen interessiert, der findet dazu alles im Filmmuseum Filmbyn in Mariannelund.

 

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