Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

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Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Schweden II (Småland): Freiheit pur im Gefängnis von einst

Schweden II (Småland): Freiheit pur im Gefängnis von einst

Ödevata: ein Ort mit ganz vielen kleinen Inseln der Ruhe. Freiheit pur und großes Glück in Häusern, die einst für etwas ganz anderes standen 

Ödevata: ein Ort mit ganz vielen kleinen Inseln der Ruhe. Freiheit pur und großes Glück in Häusern, die einst für etwas ganz anderes standen 

Dicht und dunkel die Wälder. Kühl und klar die Seen. Der Himmel – weit und wunderbar. Wir sind in Småland. Irgendwo auf dem Weg von Vik über Karlshamn nach Vimmerby. Auf der Suche nach einer Zwischenübernachtung. In der Gegend um Emmaboda. Die großen roten Holzhäuser, die dann vor uns auf einer riesigen Lichtung erscheinen, wirken fast unwirklich. „Ödevata“, steht auf einem Schild. Dahinter eine Wiese mit Baumschaukel und Trampolin. Gegenüber ein Schuppen mit Bootszubehör, Angelutensilien und einer Rezeption. Dahinter steht Malin. Groß, schlank. Mit kurzen blonden Haaren, sympathischem Lächeln. Sie hat noch ein Zimmer frei. Auf dem Weg zum Haupthaus, das mit seinem hübschen Eingang und dem großen Innenhof wie ein altes Farmhaus aussieht, verlangsamt Malin ihre Schritte und deutet uns an, leise zu sein. Sie geht auf eine alte Laterne zu, aus deren Masten es laut zirpt und zwitschert. „Schaut mal, ein Vogel hat darin sein Nest gebaut. Die Kleinen sind gerade erst geschlüpft.“

Im Farmhaus ist es angenehm kühl. Und klar. Insgesamt zwölf Einzel-, Doppel- oder Familienzimmer. Überall eine Mischung aus antiken Möbeln und modernem Design. Gemusterte Tapeten. Kleine Sitzecken mit kuscheligen Schaffellen. Bunte Flickenteppiche. Ein Haus, liebevoll bis ins Detail. Auf jeder Etage eine Küche mit Essbereichen. Lauter Inseln, auf denen man Menschen begegnen, sich aber auch ganz für sich alleine zurückziehen kann. Die Idee der Küchen im Haus ist schnell erklärt. Das nächste Restaurant ist weit, da passt die Kombi: Morgens bereitet Malin ihren Gästen ein Frühstücksbuffet mit eigenen, auf dem Hof produzierten Produkten in einem der angrenzenden Gebäude zu. Da sitzt man dann an einem der vielen gemütlichen Tische im Haus oder unter freiem Himmel. Sieht Laufenten vorbeiwatscheln, die aussehen wie Karikaturen von Donald Duck. Hört Hühner gackern und Schafe blöken. Und den Rest des Tages bereitet man sich sein Essen in einer der Küchen zu. Entweder drinnen. Oder draußen. Am Grill. Und immer mit dem Blick auf Natur, auf See und Wald und rote Häuschen.

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Wir ziehen los, erkunden die Gegend. Leihen uns ein Tretboot und fahren damit über den See. An kleinen Saunafässern vorbei, von denen aus man gleich ins Wasser springen kann. Danach laufen wir am Ufer entlang. Sehen rote Ferienhäuser, entspannte Angler und in der Sonne dösende Camper. Ja, Camping und Glamping, das bieten Malin und ihr Mann Magnus neben Hotel und Ferienhäusern am See ebenfalls an. Auf dem kleinen angrenzenden Campingplatz für maximal 15 Gespanne. Und in zwei Glampingzelten, die man mieten kann.

Mehrere kleine Schwimmstege führen in die Seen. Und wir springen hinein. Baden im klaren, kühlen Wasser. Danach laufen wir an einem kleinen Schafstall vorbei in den Wald. Von dort kam am Morgen das Blöken. Eine Herde sehr zutraulicher Schafe begrüßt uns. Sie leben an einem kleinen Tümpel, an dem es sogar eine Sitzecke gibt. Service für die Schafstreichelbesucher. Wir bleiben lange dort. Kraulen Schafsköpfe. Und genießen die Ruhe im Wald.

Zurück auf Ödevata setzen wir uns an eine der vielen über das Grundstück verteilten Sitzecken. Zuerst lesen wir in der Abendsonne. Danach brutzeln wir uns etwas in der Küche und tragen alles hinaus. Abendessen im Sonnenuntergang. „Sie kommen aus Hamburg?“ fragt da ein Mann. Deutsch mit holländischem Akzent. Seine Frau und er, sie kämen schon seit vielen Jahren nach Ödevata. „Zweimal im Jahr. Einmal im Winter. Einmal im Sommer. Es ist der schönste Ort der Welt für uns. Und Malin und Magnus sind tolle Menschen. Sie haben aus dem alten Gefängnis das alles hier gemacht.“ – Gefängnis? Ja, natürlich. So machen die sehr großen, sehr langen alten Gebäude auf diesem riesigen Areal mitten im Wald plötzlich Sinn.

2006 hatten Malin und Magnus die stillgelegten und seit neun Jahren leerstehenden Gebäude übernommen. Auf einer Fototapete im Haus erahnen wir später, was es zuvor war. Von 1923 bis 1943 ein Arbeitslager. Von 1943 bis 1946 ein Internierungslager. Und von 1946 bis 1997 eine Strafvollzugsanstalt. – Und jetzt? Ein Ort des Friedens. Und der absoluten Freiheit.

Neben außergewöhnlichen Hotelzimmern, Ferienhäusern am See und einem kleinen Campingplatz gibt es auch Glampingzelte auf Ödevata 

Neben außergewöhnlichen Hotelzimmern, Ferienhäusern am See und einem kleinen Campingplatz gibt es auch Glampingzelte auf Ödevata 

 

Mehr Infos zu Ödevate findet ihr hier.

 

Für wen?

Für alle, die die Natur lieben, keinen Trubel brauchen und fit und aktiv sind. Absolut perfekt für Angler, Kanuten, Radfahrer und Wanderer. Und für Familien, die gemeinsam Abenteuer erleben und Seen und Wälder entdecken wollen.

 

Was ist in der Nähe?

Gleich auf Ödevata bieten Malin und Magnus Erlebnispakete an. Außerdem liegt Ödevata gleich am Utvandrarleden, dem mehr als 100 Kilometer langen Auswandererweg, der von Eriksmåla nach Karlshamn führt und den Spuren des Schriftstellers Vilhelm Moberg folgt. Nur eine knappe halbe Stunde von Ödevata entfernt liegt der Glasrikets Elchpark, in dem man den riesigen Elchen ganz nahe sein kann. Außerdem keine Stunde entfernt: die Stadt Kalmar mit ihrem berühmten Schloss – einem regelrechten Schloss der Kinder. Und natürlich die Insel Öland.

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