Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

Bildschirmfoto 2018-04-27 um 11.48.08.png

Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Schweden VI (Bohuslän): Köpfe, Krebse und Kultur

Schweden VI (Bohuslän): Köpfe, Krebse und Kultur

Unser Blick auf glattgeschliffene Felsrücken, Boote und einen strahlend blauen Sommerhimmel

Unser Blick auf glattgeschliffene Felsrücken, Boote und einen strahlend blauen Sommerhimmel

Klein, rot und von Wasser umgeben

Klein, rot und von Wasser umgeben

Auf unserer Reise durch Schweden haben wir die Südküste mit ihrem wunderbaren Licht gesehen. Wir waren in den riesigen Wäldern von Småland. Später sogar auf Bullerbü. Und wir haben am Vätternsee ein entzückendes Bonbon-Städtchen und eine kleine Insel entdeckt. – Aber das hier, das ist ganz anders. Steinig. Schroff. „Ein bisschen wie in Norwegen“, sagt mein Mann. „Da kann man toll klettern“, sagt unsere Tochter.

Wir sind auf Tjörn. In den Schären der Westküste. Gut eine Autostunde nördlich von Göteborg. Rundgeschliffen sind die kleinen Inseln, die wie Walrücken aus dem Meer ragen. Bunt die Häuser. Salzig die Luft. Und weit das Skagerrak. Ein Schild an der Straße nach Skärhamn hatte uns zu einem kleinen roten Häuschen geführt. Es liegt inmitten eines Schärenhafens. Von drei Seiten mit Wasser umgeben. Der Blick auf schaukelnde Boote, kleine Häuser und einen Felsen, auf dem zu unserem Erstaunen Milchkühe kraxeln.

Abwarten. Dann plötzlich beißt der …

Abwarten. Dann plötzlich beißt der …

Die Besitzer des kleinen Hauses stellen uns gleich am ersten Tag etwas vor die Tür, das uns Rätsel aufgibt: zwei kleine bunte Angeln mit Wäscheklammern vorne dran. Dazu einen Eimer, einen Kescher und: gammelige Fischreste in einer stinkenden Dose. – „Ist ja ekelig“, sage ich. „Halt doch mal ins Wasser“, sagt mein Mann.

… erste Krebs an. Und darf zurück ins Wasser

… erste Krebs an. Und darf zurück ins Wasser

Wir befestigen ein gammeliges Fischstück an der Wäscheklammer und lassen es langsam zu Wasser. Im Schneidersitz sitze ich am Rande des Anlegers. Und warte. Und warte gar nicht so lange. Da zieht es die Angel nach unten. „Keeeeescher!“ rufe ich. Unsere Tochter eilt heran. Mein Mann greift den Kescher und hält ihn unter das, was da aus dem Wasser kommt: ein riesiger Krebs.

So geht es weiter. Ich gerate ins Angelfieber. Meine Familie ist schon etwas genervt. Elf Krebse! Am schönsten ist es, wenn ich sie freilasse, sie im Seitwärtsschritt über den Steg tänzeln und glücklich wieder ins Wasser plumpsen. Essen würden wir sie ja nie. Schon gar nicht zubereiten. Lieber fahren wir später noch zum Supermarkt und kaufen Fisch. Unser Abend klingt aus – bei gebratenem Lachs, kühlem Weißwein und der Aussicht, die nur der Vorgeschmack auf eine Landschaft ist, die als eine der schönsten Schwedens gilt.

IMG_5860.JPG

Tjörn liegt in der Provinz Bohuslän im westschwedischen Schärengarten, der sich von der südlichsten Insel Vrångö vor Göteborg bis zu den Kosterinseln im Norden erstreckt. Die Insel ist mit gut 167 Quadratkilometern die sechstgrößte Schwedens und gehört zur gleichnamigen Gemeinde, die aus insgesamt 1.546 einzelnen Inseln gehört. Hauptort  ist Skärhamn, dessen Zentrum nur knapp 15 Gehminuten von unserem Häuschen entfernt ist.

Sogar die Kirche hat ein sonniges Dauerlächeln

Sogar die Kirche hat ein sonniges Dauerlächeln

Der Ort – idyllisch. Weiße, rote und gelbe Häuser. Alte Mauern. Steile Straßen. Schmale Gassen. Kletterfelsen mittendrin. Die Sicht immer anders. Immer Wasser und Weite. Schreiende Möwen. Lachende Kinder, die in ihre Badelaken gewickelt von der Badestelle kommen. Die Haare nass, die Augen leuchtend. Ein kleines Museum über die Seefahrt. Und eine weiße Kirche. Sogar ihr Turm scheint zu lächeln. Das mag an der schönen Aussicht liegen: auf den Hafen.

 

Die Boote im Hafen von Skarhämn

Die Boote im Hafen von Skarhämn

Der Hafen – riesig. Ein Meer aus schaukelnden Booten. Kleine Läden, einige Restaurants, ein kleines Hotel. Wir bummeln. Wir gucken. Und dann entdecken wir es: Gleich am Ende des Hafens und neben einer riesigen Badestelle liegt ein sehr besonderes Museum, das Nordische Aquarellmuseum. Denn das ist das Besondere an Tjörn, da liegen Kunst und Krebsfang gleich nebeneinander. Da planschen die Touristen gleich neben dem Museum. Da grasen die Schafe direkt neben beeindruckenden Skulpturen. Und da entsteht Kunst mitten im Leben.

Der Blick über das Felsenmeer in Richtung Badestelle und Museum

Der Blick über das Felsenmeer in Richtung Badestelle und Museum

Badestelle mit Sprungtur

Badestelle mit Sprungtur

Noch wollen wir das Wetter genießen und legen uns an die Badestelle. Hölzerne Stege führen übers Wasser. Es gibt einen Sprungturm auf der kleinen Insel gegenüber. Es gibt es sauberes Badehaus mit hübschen Malereien an den Decken von Umkleidekabine und Toilette. Und es gibt klares, glitzerndes Wasser.

Wir baden. Wir planschen. Machen danach noch eine lange Klettertour über die Felsen. Und dann, am Abend, einen Spaziergang mit Schafen durch das riesige grüne  Naturreservat Toftenäs.

Ein freundliches Schaf beim Abendspaziergang

Ein freundliches Schaf beim Abendspaziergang

Das Nordische Aquarellmuseum

Das Nordische Aquarellmuseum

Am nächsten Morgen dann ein wenig Regen. Und unsere Entscheidung für einen Tag zwischen Aquarellen und Skulpturen. Zuerst lösen wir Karten für das Nordiska Akvarellmuseet, das 2010 auf Pfeilern inmitten von Felsen errichtet wurde und Begegnungsort nordischer Künstler und ein auf Aquarelltechniken spezialisiertes Forschungs- und Ausbildungszentrum ist. Durch riesige Glaswände schaut man aufs Wasser.

Für Kinder gibt es am Eingang kleine Entdeckerkisten mit Fernrohr, Lupe, kindgerechten Erklärungen und viel Entdeckermaterial. Und in der oberen Etage lässt man den Rundgang aktiv ausklingen. Kann Farben und Maltechniken ausprobieren. Findet überall Papier, Wasser und Töpfe mit Farben.

Im Nordischen Aquarellmuseum kann man malen und mit Entdeckerkisten durch die Ausstellung schlendern
 
In Pilane bilden die Skulpturen ein eigenes Kunstwerk mit der Natur, so wie hier eine Skulpturen von  Hanneke Beaumont  vor der „Anna“ von  Jaume Plensa  (im Hintergrund)

In Pilane bilden die Skulpturen ein eigenes Kunstwerk mit der Natur, so wie hier eine Skulpturen von Hanneke Beaumont vor der „Anna“ von Jaume Plensa (im Hintergrund)

Danach fahren wir knapp 20 Minuten weiter in den Norden von Tjörn. In den Skulpturenpark von Pilane. Einst ein Gräberfeld. Sieben Richterringe, sechs aufgestellte Steine, zehn Grabhügel und 57 runde Steinsetzungen. „Pilane ist eines der größten Grabfelder in der Provinz Bohuslän, angelegt während der Eisenzeot (500. V. Chr. – 1050 n. Chr.)“ steht auf einem Schild. „Der Grabplatz war vermutlich ein sehr wichtiger Sammlungsplatz für die Angehörigen. Er gab ihnen eine Identität und stärkte die gemeinsame Geschichte. Es war ein ehrwürdiger Platz – damals wie heute.“

Skulpturen im Skulptur i Pilane: Olika leka bäst von Kent Karlsson, The Egg von Hedvig Bergman, Pool von Tony Cragg, Three Bears von Laura Ford, Change of Direction und Holding on von Maria Miesenberger,  Ocean Audioscope von Per Svensson und Anna von Jaume Plensa. Außerdem: viele Schafe
 
„Die Erde“ von Ida Koitila 

„Die Erde“ von Ida Koitila 

Eine Bronze der Künstlerin  Hanneke Beaumont

Eine Bronze der Künstlerin Hanneke Beaumont

Damals wie heute. Heute sind es Skulpturen, die Identität stärken und Geschichte schreiben. Eingebettet zwischen Hügeln, Steinen und Schafen. Eingetaucht in die Natur. Überraschend. Berührend. Sich in die Erinnerung einbrennend.

So wie die Erde. Da liegt sie, wie zwischen Hügel gerollt. Eine 120 Zentimeter hohe, in sich verschlungene Bronze-Skulptur der finnischen Künstlerin Ida Koitila.

Oder die lebensgroßen Gestalten der in Holland geborenen und in Belgien lebenden Künstlerin Hanneke Beaumont. So still in die Weite, ins Nichts blickend. Ihre Bronzen „Connected - Disconnected“, „Stepping Forward“ und „Observing“ finden sich inmitten von Hügeln und kleinen Grasflächen. Leben in der Natur. Scheinen eine Geschichte zu erzählen.

Und dann immer wieder sie: Anna, ein 14 Meter hoher Frauenkopf, den der spanische Künstler Jaume Plensa eigens für den Skulpturenpark von Pilane aus Glasfiber und Marmorpulver geschaffen hat. Auf einem Hügel installiert. Dem höchsten. Den Kopf in die Wolken. Die Augen geschlossen. Immer sichtbar. Immer anders. Träumerisch. Genießend. Blickend. Denkend. Fühlend. Und ganz tief ruhend.

„Anna“ von  Jaume Plensa

„Anna“ von Jaume Plensa

 

Linktipps

Links zu Campingplätzen an der schwedischen Westküste gibt es hier.

Wandern und in der Natur übernachten kann, wer den 360 Kilometer langen Bohusleden geht.

Infos über Göteborg und Westschweden gibt es hier und hier.

 

Unbedingt machen

Das sensationelle Nordic Watercolor Museum besuchen, in dem neben wechselnden Ausstellungen auch regelmäßig Kurse stattfinden.

Durch den Skulpturenpark von Pilane wandern.

Beim Inselhüpfen auch die Nachbarinseln entdecken. 

 

Rast und Ruhe

Guten Kuchen gibt es im Sundsby Gårdscafé in Hjälteby.

Im Naturreservat Toftenäs ein Picknick machen und zwischen Kühen und Schafen so richtig zur Ruhe kommen.

Frischen Fisch im Hafen essen und dabei der kleinen Dorfkirche zurückgrinsen.

 

Ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe

Hostel plus Ferienhäuser plus Camping gibts es alles im Hav & Logi in Skärhamn.  

Eine Traumlage hat das Port Sud: mitten im Hafen von Skärhamn.

Das erste schwimmende Hotel Schwedens gibt es im Süden von Tjörn: das Salt & Sill

Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte
Eifel: Nachts in der Ritterburg

Eifel: Nachts in der Ritterburg

Schweden V: Eine kleine Welt im Vätternsee

Schweden V: Eine kleine Welt im Vätternsee