Ein Reiseblog über ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten und außergewöhnliche Orte

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Was ist „Schlafen und Staunen“?

Ein Reiseblog über außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wir wollen Deutschland und die Welt entdecken und an Orten übernachten, die einfach ganz besonders sind. – Ungewöhnlich, spektakulär und wunderschön!

„Schlafen und Staunen“ gibt es auch auf Facebook und Pinterest.

Schweden V: Eine kleine Welt im Vätternsee

Schweden V: Eine kleine Welt im Vätternsee

Blühende Blumenwiesen,  rote Holzhäuser und ganz viel Kultur und Natur auf Visingsö

Blühende Blumenwiesen,  rote Holzhäuser und ganz viel Kultur und Natur auf Visingsö

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„Mama, das Pferd pupst! – Tatsächlich. Der Kaltblüter rechts hebt im Takt des Trabes den Schweif. Erst als wir auf einem breiten Weg durch eine Waldlichtung fahren, hört er damit auf. Läuft entspannt im Schritt. Isko heißt der Wallach. Minerva die Pferdefrau neben ihm. Stark und geduldig sind die beiden. Arbeitspferde, die jeden Tag die auf Visingsö typischen Kutschen ziehen. Remmalags heißen die. Und sehen aus wie fette rot-weiße Stretch-Limos, auf denen die Touristen Rücken an Rücken sitzend durch die Landschaft gezockelt werden. Mit Traumblick. Und mit Pferde-Pupsen.

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Isko und Minerva fahren uns entlang weiter Felder, durch riesige Fichtenwälder und an historischen Gebäuden vorbei. Wer von der Bonbonstadt Gränna aus über den Vätternsee schaut, glaubt gar nicht, dass dieser lange grüne Streifen, der da so mittig im Süden des Sees liegt, eine kleine Welt für sich ist. Die Insel Visingsö, mit all ihren kleinen Häusern, uralten Kirchen, steinernen Gräbern, einer historischen Tankstelle, wenigen Hotels, dem Hafen, gemütlichen Cafés, kleinen Badestellen und rund 730 freundlichen Bewohnern auf übersichtlichen 25 Quadratkilometern.

Wolken, Wasser, Wald und Weite auf Visingsö

Wolken, Wasser, Wald und Weite auf Visingsö

Eine Insel mit Geschichte. Und Geschichten. Das fängt an mit der Legende vom Riesen Vist, der mit einem großen Schritt den Vätternsee überqueren wollte und seiner Frau netterweise einen Grasbüschel in den See geworfen hat, damit sie keine nassen Füße bekommt. Und geht weiter mit den Menschen, die in der Steinzeit auf Visingsö lebten und deren alte Gräber noch heute in der Landschaft zu entdecken sind. Genau wie die Grabfelder aus der Bronzezeit, ein bei Ausgrabungen entdecktes Langhaus aus der Eisenzeit und Orte königlicher Macht, wie der Ruine des im 12. Jahrhundert an der Südspitze errichteten Näs Schlosses, das viele als das erste königliche Schloss Schwedens bezeichnen.

Der Blick durch den Wald auf die Ruine von Visingsborg Slott

Der Blick durch den Wald auf die Ruine von Visingsborg Slott

Nach unserer Kutschfahrt fallen unsere Blicke auf ein anderes Schloss. Eine Ruine, die majestätisch über dem Meer aufragt. Es sind die Reste der Burg Visingsborg Slott, die Graf Per Brahe Ende des 16. Jahrhunderts errichtete, nachdem Näs Slott zerstört und die königliche Macht längst nach Stockholm verlagert war. Bevor wir die Ruine entdecken, müssen wir noch eine Entscheidung treffen: Mieten wir jetzt das Vierrad-Mobil mit oder ohne Hilfsmotor? „Ohne!“ rufe ich – und soll es noch bitter bereuen.

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Dann trampeln wir los. Unser kleines Mädchen meist ganz vorne auf dem Rad, entspannt auf dem Sitz ohne Pedale. Wir dahinter, noch sehr motiviert trampelnd und über die richtige Lenkung diskutierend. Auf dem Weg zur Ruine machen wir deshalb schon die erste Rast: in einem wunderschönen kleinen Café, das zum Tempelgården gehört, einem Hof mit Kunst und Skulpturen des von der Insel stammenden Künstlers Olle Krantz.

Wir essen Beerenkuchen mit Schlagsahne, bewundern den kleinen Verkaufsraum. Danach wenden wir umständlich unser Gefährt und preschen den kleinen Hang zur Ruine von Burg Visingsborg hinunter. Wir laufen durch einen schmalen Gang, über uraltes und von Fahrrinnen durchzogenes Kopfsteinflaster. Dan  stehen wir auf einer großen Wiese inmitten alten Gemäuern. Können uns vorstellen, wie die Leute dort einst lebten. Und genießen den Blick, den sie einst hatten – weit, so unglaublich weit über den See, von einer kleinen Anhöhe hinab.

Visingsborg Slott ragt majestätisch über dem Meer

Visingsborg Slott ragt majestätisch über dem Meer

Weiterstrampeln. Durch den Wald, an riesigen Blumenwiesen vorbei. Das Fahren macht Spaß, die Straße geht bergab. Viel zu lange geht sie bergab. Der Rückweg ist beschwerlich. Wir trampeln und trampeln. Und sehen unter Anstrengung so viel Schönes: die kleine mittelalterliche Kirche von Kumlaby, auf deren Turm man klettern kann, das niedliche Heimatmuseum, ein modernes Freibad, eine nostalgische Tankstelle, alte Fachwerkhäuser, die große Brahekirche, eine 1839 gepflanzte Königseiche ebenso wie die Stora Silvergranen, eine fast 40 Meter hohe Silberfichte…

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Wir trampeln. Und trampeln. Dann endlich sehen wir wieder den Hafen Und die kleine gelbe Fähre, die da so langsam und gemächlich über den See auf uns zu tuckert. Unsere Fähre. Als wir darauf sind, stehen wir an Deck und schauen auf Visingsö, das kleiner und kleiner wird. Dann legen wir im Hafen von Gränna an und schauen zurück. Können kaum glauben, wie viel Kunst und Kultur wie da eben gesehen haben. Denn jetzt liegt Visingsö wieder da, wie auf der Hinfahrt. Wie das freundlich gemeinte Grasbüschel vom Riesen Vist.

Rückfahrt nach Gränna

Rückfahrt nach Gränna

 

Linktipps

Die deutschsprachige Übersetzung der Tourismus-Broschüre gibt es hier.

Eine deutschsprachige Beschreibung und schöne Bilder der Insel finden sich unter anderem hier.

Außerdem gibt es eine englische Website über Visingso und natürlich eine schwedische Seite.

Schwedische Infos zur Fähre stehen hier. Die Schiffe fahren von früh bis spät halbstündlich zwischen Gränna und Visingsö hin und her.

 

Minigolf auf dem nachgebauten Visingsö

Minigolf auf dem nachgebauten Visingsö

Unbedingt machen

Mit dem Remmalagen über die Insel fahren.

Bei sommerlicher Hitze die alten, kühlen Kirchen besichtigen

Mit dem Fahrad oder Vierrad die Insel erkunden. Egal, ob mit oder ohne Motor. Und danach erschöpft und glücklich noch eine Runde Abenteuergolf mit Blick auf den Hafen spielen. Sowohl Fahrräder als auch die witzige Minigolfbahn, auf der die Insel im Mini-Format nachgebaut ist, gibt es hier.

 

Rast und Ruhe

Perfekt im Tempelgården.

Neben zahlreichen schönen Cafés und Restaurants gibt es auch ein sehr gutes thailändisches Restaurant.

 

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Ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe

Gleich am Hafen, geschützt in einem lichten Wald, liegt ein moderner Stellplatz für Wohnwagen und Wohnmobile. Von dort aus hat man nicht nur einen Traumblick über den Vätternsee, sondern liegt auch äußerst zentral.

Hübsche Holzhütten gibt es in der Jugendherberge auf Visingsö.

Nicht nur der Kuchen, auch die Ferienhäuser sind im Tempelgården ein Traum. Da mietet man sich einfach so ein uraltes Häuschen inmitten von blühenden Blumen, Kunst und gutem Geschmack und träumt sich in alte Zeiten zurück.

 

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